Časopis Slovo a slovesnost
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Různost jazyků a její interpretace v díle Vladimíra Skaličky: studie z moderních dějin české lingvistiky

Ivo Vasiljev

[Články]

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The diversity of languages and its interpretation in the work of Vladimír Skalička: An inquiry into the modern history of Czech linguistics

A B S T R A C T
Vladimír Skalička’s contributions to linguistic typology have been widely recognized. This paper tries to capture the significance of the problem of language diversity in its broadest sense for the development of Skalička’s scholarship and for his scientific legacy. The author argues that in a 1947 Czech-language article titled “The problem of language diversity” published in Slovo a slovesnost, Skalička gave in fact a sketch of a blueprint for modern linguistics in which he advocated a holistic approach to the study of language through a balanced texture of the triple aspect of language: its semiotic nature, its diversity and its structure. The least one can say is that Skalička seems to have followed these self-imposed, yet highly stimulating guidelines for the rest of his life. The final part of the paper is an attempt at summarizing Skalička’s contribution to the understanding of the semiotic connection of linguistic typology and the mutual relations between language and mind or language and society. The author concludes that although Skalička did not directly answer or even explicitly ask the question of why languages differ from each other, he nevertheless cleared the way for future attempts at a structural explanation of the origins of language diversity.

Z U S A M M E N F A S S U N G
Die Verschiedenheit der Sprachen und ihre Interpretation im Werk von Vladimír Skalička: Eine Studie zur modernen Geschichte der tschechischen Sprachwissenschaft

Das Verdienst von Vladimír Skalička um die linguistische Typologie ist allgemein anerkannt. Die Typologie war jedoch nur eine der Richtungen, in denen Skalička das Problem der Verschiedenheit der Sprachen betrachtete. Diesem Problem hat er einen besonderen Aufsatz gewidmet, der gegen Ende 1947 im 10. Band dieser Zeitschrift veröffentlicht wurde. Unsere Analyse des Aufsatzes zeigt, dass es sich tatsächlich um einen Entwurf eines generellen Programms für die moderne Sprachwissenschaft der Nachkriegszeit handelt. Gemäß Skalička solle die zukünftige Sprachwissenschaft die drei wichtigsten Fragen der Erforschung von Sprachen, nämlich die Untersuchung der Beziehungen zwischen Sprache und Nicht-Sprache (der Umwelt, den psychischen Erscheinungen und der Gesellschaft), die Untersuchung der Beziehungen zwischen den einzelnen Sprachen und die Untersuchung zwischen dem ganzen Sprachgebäude und seinen Bestandteilen, in enger Verbindung studieren. Das Problem der Verschiedenheit der Sprachen solle dabei eine sehr wichtige Stelle einnehmen. Leider blieb jedoch der Aufsatz offensichtlich dem Ausland unbekannt und sogar in Tschechien und der Slowakei scheint er fast vergessen zu sein. Man kann jedoch mindestens sagen, dass Skalička während seines ganzen Lebens sein Werk nach den in dem Aufsatz formulierten Gedanken richtete. Das haben wir uns hier zu zeigen bemüht. Schließlich haben wir versucht, Skaličkas wichtigste Schlussfolgerungen über den Sprachbau in Beziehung zum Bereich der außersprachlichen Erscheinungen und des gesellschaftlichen Milieus zusammenzufassen. Unserer Meinung nach sind es die folgenden: es gibt in dieser Richtung einen großen Unterschied zwischen dem Wortschatz und der Grammatik – während der Wortschatz in groben Linien mit den außersprachlichen Erscheinungen korrespondiert, ist die Grammatik in bedeutendem Maße autonom; die Morphologie ist redundant, die Sprachen können ohne Morphologie, doch nicht ohne Syntax existieren; es gibt keine „primitiven Sprachen“ – alle Sprachen sind „Vollsprachen“; die Entwicklung des Sprachgebäudes hängt nur im geringsten Maße von der der außersprachlichen Erscheinungen ab; für die Wortbildung gilt das gleiche wie für die Grammatik – nicht einmal die so genannte „innere Form“ hängt von der psychischen oder gesellschaftlichen Situation ab; der Zufall spielt in der Sprache eine große Rolle. Im Ganzen kann man sagen, dass Skaličkas Schlussfolgerungen über den Sprachbau den Grund für eine strukturelle Analyse der Ursachen für die Verschiedenheit der Sprachen geklärt haben.

Key words: history of linguistics, diversity of languages, grammar, lexicon, language and society, language and mind, semiology, synchrony, language development, typology
Klíčová slova: dějiny jazykovědy, různost jazyků, gramatika, slovní zásoba, jazyk a společnost, jazyk a psychika, sémiologie, synchronie, vývoj jazyka, typologie

Daný článek je on-line k dispozici v databázi CEEOL.

Lipenská 46, 370 01 České Budějovice
ivasiljev@seznam.cz

Slovo a slovesnost, ročník 69 (2008), číslo 1-2, s. 99-109

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