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Koncept minimální intervence

Václav Cvrček

[Články]

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The Concept of Minimal Intervention / Das Konzept der minimalen Intervention

A B S T R A C T
The Concept of Minimal Intervention (CMI) is a “methodological bill” concerning linguists and their approach toward the language and its speakers. CMI represents one possible approach to language, implying programmatic character. CMI prerequisites are: 1) There is no reason why linguistics should infringe upon language development through its interventions and thus disqualify speakers for their (natural) linguistic behavior. 2) The language has been evolving into a sensible instrument of communication, needing no assistance from linguists. 3) The arbitrary nature of linguistic means draws on their usage, and involves the ways of using constituents; it is thus not beneficial when linguistics violates, through its interventions, the very fact of this choice taken by the majority. CMI is delimited by the endeavor to minimize linguists’ interventional pressure on language and its speakers; CMI’s goal is to bring the language situation as close to the condition marked by the existence of a spontaneously constituted order of norms which is “only” passively recorded by linguists. Since zero intervention is irreconcilable with the existence of linguistics, it is necessary to deliberately weaken potential linguistic interventions through a pluralism of descriptions which should expressly declare the goals they pursue and which (communicative) functions they favor.

Z U S A M M E N F A S S U N G
Das Konzept der minimalen Intervention (KMI) ist ein „methodologischer Kodex“ über die Einstellung der Linguisten zu Sprache und Sprechern. Das KMI repräsentiert im Rahmen der Theorie der Interventionen eine der möglichen Einstellungen zur Sprache, es stellt also eine konkrete Stellungnahme mit programmatischem Charakter dar.
Voraussetzungen des KMI: 1) Es gibt keinen Grund, warum die Linguistik mit ihren Interventionen in die Entwicklung einer Sprache eingreifen und so Sprecher wegen ihres (natürlichen) Sprachverhaltens disqualifizieren (oder Argumente für ihre Disqualifizierung bieten) sollte. 2) Die Sprache entwickelt sich spontan und selbständig und ohne Mitwirkung der Linguisten (mittels Varianten und der Oszillation zwischen ihnen) zu einem zweckmäßigen Kommunikationsmittel. 3) Der aus dem Usus resultierende konventionelle Charakter der Sprachmittel betrifft die Art, wie sprachliche Einheiten angewandt werden (u. a. also auch ihre stilistischen Charakteristika und ihre Zuordnung zu stilistischen Schichten); ein (institutionalisierter) Eingriff der Linguistik in dieses Prinzip der Mehrheitswahl ist also weder für die Sprecher noch für eine natürliche Sprachentwicklung förderlich.
Das KMI ist gekennzeichnet durch Bestrebungen, den Druck der Linguisten auf Sprache und Sprecher zu minimalisieren; das Ziel des KMI ist es, eine Sprachsituation am ehesten einem natürlichen Zustand anzunähern, in dem es eine spontan konstituierte Ordnung von Sprach- und Kommunikations-gewohnheiten gibt, die sich Sprecher beim Erlernen der Muttersprache aneignen und die durch Linguisten „nur“ passiv aufgezeichnet wird. Da eine Nullintervention mit der Existenz der Linguistik als Wissenschaft über Sprache, die der Öffentlichkeit Ergebnisse ihrer Forschung präsentiert, unvereinbar ist, ist es notwendig, potentielle Interventionen vonseiten der Linguistik durch einen Pluralismus der Deskriptionen (d. h. deskriptiven Kodifikationen) bewusst zu schwächen; diese konkurrierenden Kodifikationen sollten eindeutig deklarieren, mit welchem Ziel sie geschaffen wurden und welche (kommunikativen) Funktionen sie bevorzugen. Die linguistische Gemeinschaft sollte sich bemühen, Bedingungen für das Erreichen dieses Ziels aktiv zu schaffen.

Key words: intervention, codification, language regulation, prescription, description
Klíčová slova: intervence, kodifikace, jazyková regulace, preskripce, deskripce

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Slovo a slovesnost, ročník 69 (2008), číslo 4, s. 284-292

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